Soll ich bloggen?

Gegenfrage: Hast du was zu erzählen?

Ich meine, so richtig von Herzen? Etwas, was dich wirklich beschäftigt, etwas bei dem deine Augen anfangen zu leuchten? Gibt es ein Thema, bei dem du schon soviel eigene Erfahrung sammeln konntest, dass du stundenlang über deine Erfolge und (vermeintliche) Nicht-Erfolge – nennen wir sie lieber Lernphasen – reden könntest?

Dann könnte es sein, dass du bloggen solltest. Sofern dir ein paar andere Dinge auch noch Spaß machen. Wie zum Beispiel Schreiben. Denn man mag es kaum glauben, aber ohne das funktioniert kein Blog. Ich schreibe bewusst, dass es dir „Spaß“ machen soll und nicht, dass du es perfekt beherrschen musst. Ich habe immer schon gerne geschrieben, schon in der Volksschule, aber das heißt nicht, dass ich es deswegen auch gut kann.

Überhaupt bin ich eine große Befürworterin davon, dass wir mehr Dinge tun sollten, die uns Spaß machen, selbst wenn wir sie nicht gut können. Oder noch nicht gut können. Denn wie so viele Dinge, ist auch das Schreiben etwas, das man trainieren kann. Klar gibt es unantastbare Grundpfeiler wie Grammatik und Rechtschreibung, die man einigermaßen beherrschen sollte, wenn man nicht tageweise vor einem 300-Wort-Artikel verzweifeln möchte. Aber ich wage jetzt mal die These, dass du mit deiner Sprache einigermaßen klarkommst, wenn du gerne schreibst und umgekehrt falls das nicht der Fall ist, du auch nicht soooo gerne Texte verfasst.

Bloggen oder nicht bloggen

Ich bin kein Fan des Wortes „bloggen“. Irgendwie scheint es mir vorauszusetzen, dass man eine Art Handwerk dafür benötigt, um zu bloggen. Es klingt, als müsste man etwas Besonderes beherrschen oder wissen. In meinen Augen gibt es genau drei Dinge, die du wissen/ können/ haben musst und zwei davon habe ich schon erwähnt:

  •  Spaß am Schreiben
  • Know-how deiner Sprache
  • ein wenig Interesse an der Technik

Ich habe 2012 angefangen, einen Blog zu schreiben. Und ich habe mich rund vier Jahre geweigert, mich als Bloggerin zu bezeichnen. Ich hab immer gesagt, ich schreibe Tagebuch. Ein öffentliches Tagebuch. Ein Tagebuch, das Leute kommentieren können. Das ich es nicht als Blog, sondern als Tagebuch empfand lag zum einen daran, dass ich über sehr persönliche Geschichten gebloggt habe, nämlich über meinen Weg vom Couchpotato zur Halbmarathonläuferin. Zum anderen lag es daran, dass ich eben diese Vorstellung hatte, dass ein Blogger irgendwas konnte oder wusste, von dem ich keinen Schimmer hatte. Irgendwann sprach ich darüber mit Huberta Weigl, Inhaberin der Schreibwerkstatt in Wien. Und Huberta meinte damals zu mir: „Judith, natürlich bloggst du!“ Mein Gegenargument war, das ich keine Ahnung von Keywords hätte und mich das auch nicht interessiert. Huberta meinte, das wäre auch nicht ausschlaggebend.

Es gibt bestimmt 1000 und mehr Gründe, wieso ich gerne blogge bzw. schreibe. Und klar könnte ich das auch im stillen Kämmerlein tun statt in einem öffentlichen Blog – zumindest das, was ich für mich „privat“ blogge. Aber bloggen – und das ist vielleicht der große Unterschied zu einem echten Tagebuch, das zuhause versteckt unter den Dessous gebettet liegt – ist keine Einbahnstraße.

Bloggen heißt kommunizieren.

Mit anderen Menschen. Nie werde ich den Moment nach einer 9-monatigen Blogpause vergessen, als ich den ersten Eintrag geschrieben habe mit den Worten „ich weiß ja nicht, ob das hier noch einer liest“ und postwendend die Antwort kam: „Ja, logisch liest das hier jemand. Oder denkst du, wir verschwinden alle, nur weil du mal ein paar Monate nicht schreibst?“
Uff. Okay, mein Blog wird gelesen. Was für ein gutes Gefühl! Und auch deswegen schreibe ich. Um in den Dialog zu treten. Feedback zu bekommen. Fragen zu erhalten, die mich wieder zu neuen Blogartikeln anregen. So wird das Netz immer größer und ich erreiche dadurch neue Menschen, neue Leser, die irgendwann vielleicht zu Kunden werden. Weil sie mich als Person durch meinen Blog und meine Weise, wie ich ihn schreibe, kennenlernen. Besser kennenlernen als es eine statische Webseite zulässt. Ich gewähre ihnen Einblick. In meine Denk- und Arbeitsweise, in meine Persönlichkeit. Und ich denke, das ist sehr wichtig, damit die Kunden zu mir kommen, die mit meiner Art und meinem Wesen vollkommen einverstanden sind. Die genau das wollen. Denn dann macht die Arbeit richtig Spaß. Richtig, richtig, richtig Spaß!

Also, Blog oder nicht Blog?

 

Thema, Spaß und Neugier sind da? Ja, dann blog doch bitte! Und mach dir keinen Stress, wie es funktioniert und was du alles beachten sollst. Erst mal einfach gar nix berücksichtigen! Hau in die Tasten, schreib einfach, um zu schreiben, um deinen Kopf freizubekommen, deine Gedanken zu sortieren, um das rauszuhauen, was der Welt nützlich sein könnte und was dir ein gutes Gefühl verschafft. Ich weiß, es gibt inzwischen viele Online-Kurse und Lehrgänge über „richtiges Bloggen“. Und viele davon sind richtig toll. Aber für den Moment fang einfach an und mach es nicht komplizierter als es ist. Bloggen = Schreiben. Schreiben kannst du. Also kannst du auch bloggen. Anfangs ist es vielleicht ein wenig zäh, aber beginne einfach mit kurzen Artikeln. Schreib eine Mini-Serie mit Mini-Absätzen über ein Mini-Thema. Du weißt nicht wie die Technik funktioniert? Im Moment noch egal. Schreib erstmal 2-3 Blogartikel und mach dich mit dem Schreiben vertraut. Schreib in Word, Pages, Evernote … wo immer du magst.

Mach dich mit dem Schreiben vertraut. Du wirst sehen, dass es mit der Zeit ganz leicht wird, deine Gedanken und Themen in Worte zu fassen. Und dann geht der Spaß erst richtig los!

Ein Dankeschön: Das Foto von mir stammt übrigens aus der Kamera von Christian Holzknecht, der auch „einfach so“ los-gebloggt hat … mit meiner Unterstützung jetzt auch auf eigenem WordPress-Blog.