Sind wir nicht alle ein bisschen Influencer?

Vorletztes Wochenende fand ich mich plötzlich mitten im Getummel mit 179 anderen BloggerInnen in Salzburg. Bei „Salt & the City“ – einer Konferenz für schreibende Menschen im Internet. Die spannenden Begegnungen dieses Tages möchte ich euch nicht vorenthalten, aber die benötigen gesonderten Raum. Deswegen erzähle ich hier und heute lieber von dem Notizblock, der im Goodie-Bag drin war. Auf diesem stand:

„Influencer – ist das eine Krankheit?“

Abgesehen von dem netten Wortwitz, der mich zum Schmunzeln brachte, gelang es diesem Spruch auch, mich zum Nachdenken zu bringen.

Eine Erklärung für alle nicht-social-media-Menschen: Ein Influencer ist eine Person, die in den sozialen Medien eine Bedeutung hat. Weil sie schreibt, Videos produziert, Fotos postet oder sich sonst auf eine Art & Weise bemerkbar macht und der man „folgen“ kann. Als Fan, als Leser, als Abonnent. Vorzugsweise haben diese Persönlichkeiten viele Menschen in ihrem Gefolge, die sie dann beeinflussen durch das, was sie sagen, schreiben, posten = Einfluss (Influence) ausüben.

Soweit die Theorie.

Ich denke, Influencer sind wirklich eine Krankheit.

Eine an der wir alle leiden. Oder vielleicht nicht leiden, sondern mit der wir leben. Fröhlich vor uns hinpfeifend damit. Denn in im echten Leben beeinflussen wir ständig andere Menschen. Mit unseren Erlebnissen und Erfahrungen. Mit unserem Wissen und unserer Meinung. Wir kaufen etwas, mögen es und erzählen es unseren Freunden. Wir kaufen etwas, mögen es nicht und erzählen es unseren Freunden, den Nachbarn, der Familie, den Arbeitskollegen, der Schwiegermutter und dem Rest der Welt.

Wir alle beeinflussen jemanden. Ständig.

Wir alle sind Influencer. Ohne Bezahlung. Das nennt man dann Mundpropaganda.

Hab ich schon erwähnt, dass ich absolut dafür bin, Dinge beim (deutschen) Namen zu nennen? Schönes Beispiel von Bloggerkollegin Manu Hirt, die mit ihrem Blog „allabout40plus“ heute auf Instagram ein wunderschönes Wort herauskramte, das heutzutage als „Podcast“ bekannt ist.

Manu macht aber keinen Podcast. Manu nimmt ein „Hörspiel“ auf. Jawoll! Da weiß jeder, was man sich drunter vorstellen kann. Und mit ihrem Hörspiel „influenct“ Manu auch ihre Follower. Oder man könnte sagen, das, was sie tut, hat eine Auswirkung auf die Menschen, die es hören, lesen oder sehen. So einfach ist das.

Mundpropaganda ist also unbezahlte Beeinflussung anderer. Klingt jetzt natürlich nicht mehr so verrucht wie „influencing“. Und nicht mehr ganz so ansteckend.

Influencing – Wie sieht es aus, wenn ich das gegen Bezahlung mache?

Ein mehr oder minder namhaftes Unternehmen macht mich also ausfindig und bittet mich – gegen Bares – über ihr Produkt zu schreiben, hörzuspielen oder im Video zu philosophieren. Nun ja … Ich mag Geld und finde, man darf durchaus für gute Arbeit gut bezahlt werden. Sollten wir auch. Bezahlen und bezahlt werden.

Aber ich sehe für mich persönlich eine Gefahr in Sachen Authentizität, wenn mit kleinen oder großen Scheinen gewedelt wird. Denn die Versuchung, das eigene Gefolge in eine bestimmte Richtung gehend zu beeinflussen, ist doch recht groß oder zumindest vorhanden, wenn ich dafür auch noch entlohnt werde, abgesehen von Ruhm & Ehre. Außerdem ist es eine Schmeichelei fürs Ego, wenn ein bekanntes Unternehmen auf  mich zukommt und kooperieren möchte. Da werden ich & mein Ego (und mein Bankkonto) schlicht und ergreifend vom Unternehmen geinfluenced, dahingehend dass ich selbst meinen Einfluss geltend mache. Gegen Bezahlung. Denn ich glaube, unter bestimmten Umständen bin ich käuflich.

Und da wird’s für mich als Authentizitäts-Bloggerin brenzlig. Wem nutzt der bezahlte/ gesponserte Artikel wirklich-wirklich was?

Das gilt es ernsthaft abzuwägen. Aus der Distanz. Weit weg vom Bankkonto. Zumindest für mich. Deswegen ist für mich der Weisheit letzter Schluss: Kooperation ja, influencen ja, aber auf meine Weise. Wenn ich das Produkt oder die Dienstleistung auch bewerben würde, ohne je einen müden Cent dafür zu bekommen – ja! Dann her mit der Kooperation und ich mach das auch sehr gerne gegen Geld, da es dann eine beide-sind-glücklich-Situation ergibt (Fachchinesisch: win-win). Unter diesen Umständen beeinflusse ich meine LeserInnen gerne und mit bestem Gewissen, weil ich voll und ganz dahinter stehe.

Sind Influencer jetzt gut oder schlecht für den eigenen Marketing-Kurs?

Ob bezahlt oder nicht – Influencer braucht jedes Unternehmen und jede Marke. Und damit meine ich nicht, die hashtaggenden (dieses Wort erkläre ich dann mal an anderer Stelle), schiller-filterverwendenden Super-Insta-GangsterInnen, sondern einfach Menschen wie du und ich. Markenbotschafter könnten wir sie auch nennen.

Bringe ich ein Produkt auf den Markt, dass ich unfassbar lecker, praktisch oder einfach schön finde, dann freut es mich, wenn möglichst viele Menschen darüber reden. Und wenn diese Menschen viele andere Menschen erreichen ist das umso besser.

Grundsätzlich glaube ich, dass es eine absolut überlegenswerte, kluge Strategie sein kann, der Welt Zugang zum eigenen tollen Produkt oder Service zu verschaffen, in dem ich die Reichweite anderer Menschen nutze.

Aber bitte, bitte authentisch. Such dir Leute, die dein Produkt, deine Marke und deinen Service so gut finden, dass sie aus tiefstem Herzen gerne für dich sprechen wollen. Und dann sei nett und fair und bezahl sie anständig dafür oder sorge für einen Energieausgleich, der für beide Parteien passt. Und seid bitte offen und ehrlich zu den Leuten, die euch folgen. Das sind alles Menschen, die es mögen, wie solche behandelt zu werden. Keiner von uns glaubt, dass du morgens kuschelnd mit deinem Liebsten und einer Flasche Waschmittel im Bett liegst.

Wieso es gut ist, wenn deine Facebook-Fans abspringen

Judith Riemer, Die Bloggerin

Als ich vor rund vier Jahren begann, meine Facebook-Fanpage ins Leben zu rufen und mit den Inhalten zu experimentieren, war für mich die einzig wichtige Zahl die der Fans. Wieviele Fans hat meine Seite heute? Sind über Nacht vielleicht neue dazugekommen? Und ähnlich glücklich, wie wenn die Zahl auf der Waage niedriger wurde, war ich, wenn meine Facebook-Seite neue Fans gewann.

Anfangs waren das natürlich „nur“ Freunde und Bekannte. Mit der Zeit kamen neue Gesichter dazu. Irgendwann kamen aber auch Tage, an denen ich feststellte, dass ich plötzlich weniger Fans hatte. Und schon ging die Grüblerei los:

 

  • Was habe ich falsch gemacht?
  • Habe ich mit dem Posting jemanden persönlich angegriffen?
  • Lohnt sich der Aufwand einer Facebook-Seite überhaupt, wenn doch sowieso alle (!!!) abspringen?
  • Was soll ich denn überhaupt posten, wenn sich danach ständig (!!!) jemand abmeldet?

Und so weiter und so fort. Kennst du vielleicht.

Du kannst es nicht jedem recht machen.

Einer meiner meistgehassten Sätze, weil er so wahr ist. Mein Vorteil war von Anfang an, dass ich meine Fanpage nicht dazu ins Leben gerufen hatte, um es jemand anderem recht zu machen. Nein, die Seite war vielmehr für mich selbst gedacht, um meine Fortschritte zu dokumentieren und meinem Blog eine weitere Plattform zu bieten, sich zu verbreiten. Trotzdem fühlte ich mich immer ein wenig unwohl, wenn die Fans absprangen.

Dazu kam im Laufe der Jahre, dass ich der Seite andere Namen gab, zwei Seiten zusammenlegte … klar, das war für die Fans vielleicht verwirrend, sorgte aber bei mir für mehr Klarheit. Ich habe das stets öffentlich auf der Seite kommuniziert, was ich vorhabe, was mit der Seite geschieht, welche Inhalte zu erwarten sind, was die Namensänderung bedeutet – und was geschah?

Die Facebook-Fans wurden (trotzdem) weniger.

Speziell jetzt in letzter Zeit merke ich, wie mir die Leute wieder abspringen, aufgrund meiner letzten Postings. Und weißt du was?
Ich bin froh darüber. Denn nach rund neun Jahren Facebook, davon fast fünf Jahre aktiv mit mehreren Facebook-Fanseiten und als Gruppen-Admin, habe ich eines verstanden: Die Facebook-Leser, die gehen sind genauso wertvoll wie die, die bleiben. Denn die, die gehen, die gehen deshalb, weil das, was ich poste aus irgendeinem Grund nicht mehr relevant ist für sie. Ich finde das sehr gut, denn so kann ich mir sicher sein, dass die Leute, die noch hier sind, auch das lesen wollen, was ich schreibe. Und genau mit diesen Leuten wünsche ich mir eine Kommunikation auf den sozialen Kanälen. Ich schreibe und poste nicht, um keine Antwort zu erhalten. Ganz im Gegenteil: Ich freue mich auf Feedback & Austausch. Das kann ich mir von Menschen nicht erwarten, die sich nicht (mehr) für mein Thema interessieren.

Mit jedem Fan, der geht, kann ich mir sicher sein, dass die zurückbleiben, die etwas von mir lesen wollen.

Ich habe in den letzten 4 Wochen 17 Facebook-Fans „verloren“ – 12 neue Leser sind dafür dazugekommen. Ich freue mich über die 12 Neuen sehr und genauso freue ich mich über die 17, die gegangen sind. Denn wichtiger als die Gesamtfanzahl ist mir das, was mit den Menschen, die mir folgen, passiert, wenn ich etwas poste. Im besten Falle bewegt sich etwas bei ihnen. Das kann aber nur geschehen, wenn auch gelesen wird, was ich schreibe.

Was sind deine Erfahrungswerte mit „abspringenden“ Fans?