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by Miriam Schneider

Corona, die Kinder und ich.

Ein Artikel von Miriam Schneider. Sie wurde von ihrem Arbeitgeber gebeten, für die Firmenzeitung einen Artikel zu schreiben, wie sie die Zeit mit Homeoffice & Homeschooling erlebt. Hier kommt ihr Bericht, der bestimmt vielen Mamas so oder so ähnlich bekannt vorkommt:

Woche 7 des Ausnahmezustandes, Mittwoch Vormittag, 11 Uhr:

Ich sitze in der ehemaligen Abstellkammer meines Hauses, welche „Dank Corona“ endlich entrümpelt und ihrem ursprünglich geplanten Verwendungszweck zugeführt wurde: nämlich ein Büro zu sein.

Normalerweise bin ich es gewohnt, mich mit meinem Teamkollegen Berthold mittels Zurufen über den Bildschirmrand zu verständigen. Dank Skype funktioniert die Standleitung zu ihm auch über größere räumliche Distanzen und wir haben uns längst daran gewöhnt, dass wir statt lebendiger Mimik im Gesicht nur noch das Profilbild des Anderen zu sehen bekommen.

Auch was die Effizienz meiner Arbeit betrifft, kann ich mich nicht beklagen. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, Zuhause besser voran zu kommen als wenn ich in Lindau im Büro sitze. Theoretisch würde dieses „Home Office“-Ding also ganz gut funktionieren – wenn es da nicht 3 gute Gründe gäbe, die jeden Tag in diesem Corona-Ausnahmezustand zu einer unberechenbaren Sache machen: Meine zwei Söhne und meine Tochter.

Alle 3 sind Schulkinder und alle 3 sind verdonnert zum „Home Schooling“. Den Begriff „Digital Learning“ kennen wir auch nach 7 Wochen weitestgehend nur in der Theorie: Während sich die Grundschullehrerin der beiden Jüngeren eisern an ausgedrucktes Zettelwerk hält und sich nur noch via E-Mail erreichbar zeigt, sind die Mittelschul-Lehrer meines Großen permanent über WhatsApp & Co. mit den Schülern in Kontakt. Aufgaben werden per E-Mail verschickt und teilweise darf er auch eine Lern-App auf dem Handy benutzen.

Anfangs folgte ich noch dem Irrglauben, dass Home Office und Home Schooling parallell funktionieren. Nach gefühlt 100x An-die-Türe-klopfen, „Mama hilf mir bitte mal!“ rufen, lautstarkem Geschwisterstreit und im Skype-Meeting stören, weiß ich aber, dass dem nicht so ist. Und so versuchen wir nun jeden Tag den Spagat zwischen Home-Office, Home-Schooling und Hausarbeit zu schaffen. Manchmal gelingt das überraschend gut, manchmal würde ich am liebsten schon vormittags um 10 die Nerven über Bord werfen.

Insgesamt erlebe ich diese Zeit der Pandemie als sehr ambivalent. Auf der einen Seite fühle ich mich jeden Tag zu 120% gefordert, um das System Arbeit-Schule-Haushalt-Freizeit für die Kinder und mich am Laufen zu halten. Auf der anderen Seite gibt es Entschleunigung an allen Ecken und Enden. Keine Termine mehr, keine Fahrten zu Hobbies, Musikschulstunden oder Freunden, keine Familientreffen. Dafür tägliche Spaziergänge nach getaner Arbeit als neues Familienritual und Kinder die plötzlich mehr im Haushalt helfen, weil sie erkennen, dass wir gemeinsam anpacken müssen. Und trotz der hohen Anforderungen, die dieser Ausnahmezustand für jeden von uns bereithält, mehr Zeit für das Wesentliche: Für uns!

Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass es jetzt 13 Uhr ist. Mist! Ich weiß noch nicht mal was ich kochen soll! Die Kinder haben meine Vertiefung in die Arbeit natürlich genutzt und es sich ohne fragen vor dem Fernseher bequem gemacht.

Natürlich nach getanen Schulaufgaben – sagen sie jedenfalls… 😉